Von der "Bundesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz" liegen seit November die Zahlen von 2001 vor. Mit 4290 Brutpaaren kaum verändert gegenüber den Jahren 2000 (4422), 1999 (4284) und 1998 (4282). Der Bestand hält sich stabil. Annähernd gleich geblieben sind auch die Rangfolgen der Bundesländer. Spitzenreiter ist erneut Brandenburg mit 1372 Brutpaaren vor Mecklenburg-Vorpommern mit 1143, Sachsen-Anhalt mit 563, Sachsen mit 393, Niedersachsen mit 353, Schleswig-Holstein mit 213 und Bayern mit 109 anwesenden Brutpaaren. In der Übersicht wird erstmals eine Zwischensumme vor den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Saarland ermittelt: 4195. Obwohl in diesen vier Bundesländern weit über 400 Brutpaare gezählt wurden, kamen nur 95 in die Jahresbilanz.
Für Außenstehende eine schwer durchschaubare Verweigerung, die, da bin ich mir sicher, in den betroffenen Bundesländern mit Ärger und Unverständnis aufgenommen wird. Zumal in diesen Ländern noch vor wenigen Jahrzehnten die Weißstörche so gut wie völlig verschwunden waren. Über Aufzuchtstationen und Auswilderung wurde mit großer Mühe der Storch ins Land zurückgeholt. Bei genauerem Hinsehen erweist sich die praktizierte Verfahrensweise aber als vernünftig: Nach dem erklärten Willen der deutschen Storchenschützer in der BAG werden nur freifliegende, ohne jegliche Zufütterung lebende Wildstörche in die Bestandszahlen aufgenommen. Das trifft in diesen Ländern nur auf einen kleineren Teil der dort registrierten Weißstörche zu. Die rigorose Ausgrenzung vom Menschen abhängiger Störche dient dem Ziel festzustellen, ob und wie der Wildvogel Weißstorch mit den sich verändernden, sprich, sich immer weiter verschlechternden Lebensbedingungen im Industriestaat Deutschland zurecht kommt. Mit Störchen, die nur bei Zufütterung existieren können, würden wir uns über den Zustand der Umwelt in die Tasche lügen.
Die Bestandszahlen ermittelte wie stets Dr. Christoph Kaatz, Leiter der BAG, aus den Zuarbeiten der Weißstorch-Landesbetreuer, die sich wiederum auf die Informationen ihrer Regionalbetreuer stützen. Am Ende stehen jene Männer oder Frauen, die den Kontakt zu den Storchennest-"Besitzern" halten, bei allen Storchenangelegenheiten angerufen werden, die sich im Spätwinter um die rechtzeitige Säuberung der Horste von Zivilisationsmüll wie Plastiktüten und Bindegarn kümmern, in Notfällen helfen, wenn Horste abzustürzen drohen, wenn verletzte Tiere aufgefunden werden usw. Diese Leute heißen in ihrer Gegend nach einigen Jahrzehnten gewöhnlich "Storchenvater". - Kein schlechter Name.
November 2002